2. Hennef-Forum: Kinderbetreuung

Ausgearbeitete Thesen und Ideen während der Veranstaltung:

 

    • Arbeitszeiten werden immer unregelmäßiger. Die Betreuungszeiten in Hennef sind aber immer noch relativ begrenzt. Mit der neuen Betreuungssatzung werden die Zeiten ausgeweitet und auf 7 bis 17 Uhr festgesetzt. In der Runde herrschte Einigkeit, dass diese Zeiten weiter ausgebaut werden müssen, da viele Personen entweder früher anfangen zu arbeiten oder abends länger im Büro sein müssen. Wichtig ist dabei, dass es nicht um eine endlose Ausweitung der tatsächlichen Betreuungszeit geht, sondern um ein flexibleres Auswählen des Zeitfensters für die Betreuung. Die Öffnungszeiten der Kita müssen nicht mit der Betreuungszeit einzelner Kinder übereinstimmen. Als Beispiel wurde die geplante „24-Stunden-Kita“ in Troisdorf genannt. Bring- und Abholzeiten sollten möglichst flexibel sein. Längere Öffnungszeiten sind besser als mehrere Betreuungspersonen am Tag oder in der Woche, um Randzeiten abzudecken.
      • Diskutiert wurde länger, ob es einen Widerspruch zwischen Betreuungsbedarf der Eltern und Bedürfnissen der Kinder gibt. Festgehalten wurde, dass Eltern am besten entscheiden können, was gut für ihr Kind ist. Diese Entscheidung solle sich nicht nach den institutionellen Vorgaben richten müssen. Aus pädagogischer Sicht sollten die tatsächlichen Betreuungszeiten aber auch nicht unendlich ausgedehnt werden, weil z.B. die Eltern-Kind-Beziehung darunter leiden könnte.
        • Qualität ist ein ganz wichtiger Punkt. Kindertageseinrichtungen haben einen Bildungsauftrag. Frühkindliche Bildung ist sehr wichtig, sodass möglichst viele Kinder von der Förderung profitieren sollten. Kinderbetreuung darf keine Verwahrung sein. Auch trotz schnellen U3-Ausbau darf die Qualität nicht leiden.
          • Kritisch angemerkt wurde die Personalausstattung in den Kitas. Sobald ein Grippewelle vor der Tür stehe, herrsche in den Einrichtungen Panik, ob das Personal noch ausreicht. Qualitativ hochwertige Kinderbetreuung braucht auch genügend Personal.
            • Mehrfach wurde angemerkt, dass Eltern sich lange überlegen müssten, ob sie Kinder bekommen möchten, weil sie nicht wissen, ob eine qualifizierte Betreuung zur Verfügung steht (auch das Geld spielt natürlich eine Rolle). Der Ausbau an Betreuungsplätzen muss vorangetrieben werden, um den Bedarf komplett abdecken zu können. Beim U3-Ausbau hat Hennef noch Nachholbedarf.
              • Probleme gibt es auch beim Übergang von der Kita zur Grundschule. Eine Betreuung vor Schulbeginn gegen 8 Uhr wird nicht angeboten. Für die Offene Ganztagsschule gelten die gleichen Qualitätsansprüche wie für die Kitas oben beschrieben. Außerdem bietet eine gebundene Ganztagsschule ein neues Angebot für Hennef (u.a. mehr Lehrerstellen).
                • Diskutiert wurde auch die generelle Einstellung zur Betreuung von Kindern. Andere Länder haben zu diesem Thema ganz andere Einstellung. In Deutschland gehe man vielfach noch davon aus, dass die Betreuung zuhause per se besser ist als in einer Einrichtung. Diese Haltung müsse man aber in Frage stellen. Nur weil ein Kind zuhause ist, wird es noch nicht besser betreut. Außerdem sind viele Eltern dazu gezwungen, ein Betreuungsangebot anzunehmen, weil die Berufstätigkeit keine andere Variante zulässt.
                  • Kostensteigerungen bei der Kinderbetreuung sollen in Zukunft noch früher bekannt gemacht werden. Das Negativbeispiel war die kurzfristige Gebührenerhöhung in 2010. Außerdem sollen die Steigerungen in kleineren Schritten stattfinden. Generell wird aber die Beitragsfreiheit als Ziel betrachtet. Beispiel ist hierbei Rheinland-Pfalz, wo keine Gebühren für die Kinderbetreuung erhoben werden, um möglichst allen Kindern eine Förderung zu ermöglichen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Das beitragsfreie Kindergartenjahr in NRW sei ein Anfang, dürfe aber nicht eine Einzelmaßnahme bleiben. Bei der Finanzierung sind Bund, Land und Stadt gefordert. Wegfallende Kosten dürfen aber keinesfalls mit schlechterer Qualität einhergehen.
                    • Generell wünschen sich die Anwesenden mehr Transparenz und eine bessere Informationspolitik zum Ausbau der Betreuungsplätze oder zur Vergabe.

                       

                      Nach der Veranstaltung hat sich eine Arbeitsgruppe zur Kinderbetreuung in Hennef gegründet. Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Infos bekommen Sie unter info@nullspd-hennef.de